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Der Aletsch Hike

Aletsch Hike

Ich habe mich schon Wochen auf diesen Trip gefreut. Eine Wanderung über das Eismeer des Aletschgletschers. Natürlich hatte ich etwas Schiss. Schliesslich gibt es auf dem Gletscher Gletscherspalten in die man reinfallen könnte.
Aber aus diesem Grunde gibt es Bergführer, die extra dafür ausgebildet worden sind, solch unwegsames Gelände zu "lesen" und Städter wie mich sicher rüber zu bringen. Ich rate dringend ab, dies auf eigene Faust zu probieren. Es ist ein Labyrinth indem man sich schnell verirren kann!

Meeting Point war auf dem Jungfraujoch - Top of Europe Dort wurden wir vom Bergführer von grindelwaldSPORTS instruiert und auf mögliche Gefahren auf dem Gletscher aufmerksam gemacht. Dann ging es von der surrealen touristischen Welt auf zur surrealen verlassenen Eiswelt. Wir montierten unsere Steigeisen und liefen als Seilschaft über das Eis. Sollte jemand fallen, halten ihn die anderen.

Der Gletscher war durchzogen mit Furchen, Spalten und immer wieder mussten wir über kleine Gletscherbäche springen. Angst hatte ich zu keiner Zeit - aber Respekt.
Obwohl der Gletscher sehr rasch schmilzt hat er teilweise noch eine Tiefe von 600 - 900 Metern! Das hört sich nach viel an, trotzdem zeigen Berechnungen, dass der Gletscher im Jahr 2100 mit höchster Wahrscheinlichkeit nur noch in den höheren Regionen zu finden sein wird, sofern die Klimaerwärmung weiter voran schreitet.

Nach ca. 4 Stunden Wanderzeit erreichten wir dann unser Zwischenziel - die Konkordiahütte - welche 1877 auf einem Felsen erbaut wurde, der rund 50 Meter über dem Gletscher war. Heute muss man über 467 Stufen und 150 Meter Treppe hochsteigen um zur Hütte zu gelangen. Und jährlich muss hier eine weitere Treppe angebaut werden, weil der Gletscher wegschmilzt. Man überlegt sich bereits wie das in Zukunft gelöst werden könnte, da der Gletscher weiter zurück gehen wird.
Die Konkordiahütte ist ein modernes SAC Berghaus, welches über viele Betten im Massenlager verfügt. Es gibt aber auch zwei exklusive Suiten die man gegen einen Aufpreis buchen kann.
Ich bin ein sehr schlechter Massenschlagschläfer und so habe ich in der Nacht praktisch kein Auge zugetan. Vielleicht überlege ich mir beim nächsten Mal das Buchen der SuiteWinking
Die Morgenstimmung war fantastisch und liess den Schlafmangel schnell wieder vergessen. Der zweite Wandertag fing an und wir gingen Richtung Fiescheralp los. Nach ca. 4 Stunden Wanderzeit erreichten wir dann den Ausstieg unterhalb des Eggishorn und damit hatten wir wieder "warmen" Boden unter den Füssen. Dann ging es nur noch hoch auf die Fieschalp und vorbei war der weisse Abenteuerzauber.

Technisch gesehen ist die Wanderung relativ einfach. Das Wandern auf dem Eis hat sich aber dann in meinem linken Knie bemerkbar gemacht und so musste ich auf dem Weg zur Fiescheralp ziemlich das Tempo drosseln, weil ein stechender Schmerz das schnelle Wandern unmöglich machte. Für solche unvorgesehene Situationen macht das Mitführen von Schmerzmitteln sicherlich Sinn. Ich bin froh, hat mein Knie erst nach dem Austieg vom Gletscher nicht mehr mitgemacht.
Sollte wirklich mal etwas passieren wie z.Bsp. man stolpert, verstaucht sich etwas, kann nicht mehr weiter laufen, dann wirst du bestimmt nicht auf dem Gletscher vergammeln und zu einer Eisstatue werden. Dann wir ein Helikopter aufgeboten, der dich dann sicher in ein Krankenhaus bringt.

Es war eine unglaubliche Erfahrung einmal au diesem grossen Eisriesen zu laufen und ich bin dem Thema der Eisschmelze nun auch etwas näher gekommen. Man hat so eine Art Bindung zum Gletscher bekommen. Ich kann verstehen, dass Bergführer, die die ganze Schmelze miterleben, eine Wehmut verspüren.
Danke nochmals an grindelwaldSPORTS und Outdoor Interlaken für diesen coolen Trip - im wahrsten Sinne des WortesHappy